Mit zwei Seiten eines Buches schon kann ich fliegen - sie ersetzen mir Flügel.
Manchmal genügt schon eine Zeile, ein Wort -
die Andeutung
von Flügeln.
Manchmal genügt schon, was zwischen den Zeilen steht - der Gedanke an Flügel.
Um dem Patienten im Krankenhaus während seiner Aufenthaltsdauer und Genesungszeit helfend zur Seite zu stehen, bieten sich - wie schon im Konzept erwähnt - wortgeführte Kunstausstellungen besonders gut an.
Wichtig ist, dem Patienten auch einmal die Möglichkeit zu geben, sich von seinem sorgenvollen Denken wegzubewegen, sich zu zerstreuen - ohne dabei aber ins Oberflächliche abzugleiten. Das eigene bewusste Denken soll ihm nicht abgenommen werden,
lediglich die Bahnen in Richtung Leichtigkeit, Freude und Fantasie können vorgegeben sein.
Dazu bieten sich zwei altbewährte Methoden hervorragend an:
Das «sanfte Ablenken» und
das «sanfte Zum-Lächeln-Bringen».
Beide Wege sind psychotherapeutische Variationen für den Laiengebrauch, nämlich Abkömmlinge der logotherapeutischen Methoden der «Dereflexion» und der «paradoxen Intention». Zum sanften Ablenken eignen sich Texte vorzüglich, geben sie doch Beschäftigungsinhalt und Gesprächsstoff, der ein kummervoll-verzagtes Kreisen um die eigene Situation auflockert, und die Gedanken in eine neue Richtung lenkt. Die negative Gedankenspirale oder der berühmte "Hamster im Rad" wird erst einmal dadurch gestoppt. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, dass die Texte literarisch besonders wertvoll sind. Wichtig dabei ist, dass sie mit ihren Worten den Patienten tief im Inneren erreichen, und somit z.B. über die Nachwehen einer Operation hinweghelfen, die Ängste vor Untersuchungsergebnisse verringern und die Freude auf das Leben nach dem Krankenhausaufenthalt greifbarer machen können.
Wichtig ist, dass die Patienten sich durch diese Worte irgendwie verstanden fühlen. Sie empfinden Resonanz, ein Mitschwingen - gleichsam eines Echos - ihrer eigenen, oftmals unruhigen Empfindungen. Gerade vor der aktuellen Diskussion mangelnder zeitlicher Zuwendung durch das Pflegepersonal etc. - etwa in Form eines persönlichen Gesprächs - greift hier die Ausstellung eine dennoch vorhandene Notwendigkeit auf, eine innere empfundene Not zu wenden. Die Texte können erfassen, ausgleichen - und dies ist ein großer Schritt in Richtung Gesundung. Fähigkeiten wie Zuhören, Verständnis und Empathie, wie sie ein zwischenmenschliches Gespräch zu geben vermag, können Worte zwar nicht ersetzen, aber sie können vieles an negativen Gefühlen, Ängsten und Zweifeln auffangen, und in einen anderen, oftmals hoffnungsvolleren Weg weisen.
Ein Text kann helfen, auf manche Dinge des eigenen Lebens einmal "anders" zu blicken und den berühmten "Silberstreifen am Horizont" für sich wieder zu entdecken, wo vorher noch keiner erkennbar war. Worte können die eigene Wahrnehmung so verändern, dass Dinge, die vorher für den Patienten nicht vorstellbar schienen, nunmehr in sein Blickfeld rücken.